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RTB International: Fußball spricht jeder

Remscheid. In Reinshagen hat sich ein Team mit syrischen, irakischen, mazedonischen und afrikanischen Spielern gebildet.
Von Henning Schlüter

Bahaa Merii hat mal bei al-Karama gespielt, einem Klub im syrischen Homs, der mehrmals Meister und Pokalsieger wurde.

FOTO: Moll (Ausschnitt)

Nein. Das ist keine Geschichte über Politik, über Krieg, Vertreibung, Exodus, schlimme Erlebnisse. Das ist eine Geschichte über Fußball, über Zusammenhalt, Spaß und sportliche Ziele. Eben über die Kicker des "RTB International", oder "RTB inter", wie es auf den Trikots der neuen Mannschaft des Reinshagener TB steht. Das Team existiert offiziell seit Anfang des Jahres und ist ein Konglomerat aus Kickern, die aus Syrien, dem Irak und Mazedonien stammen. "Ein Afrikaner ist auch dabei", sagt Betreuer Mohamad Diab. Woher der kommt, fällt ihm gerade nicht ein: "Ist aber auch egal. Hauptsache, er spielt bei uns."

Am vergangenen Mittwochabend ist der Afrikaner nicht dabei, als "RTB Inter" ein weiteres Testspiel austrägt. Auf der Asche im Stadion Reinshagen tritt das Team von RTB Inter gegen die SG Kickers 85 an. Die spielen auch im Betriebssport-Kreisverband, allerdings in der Stadtliga. RTB Inter fängt in der neuen Saison ganz unten in der A-Klasse an.

Bereits seit Oktober 2015 wird mit Feuereifer und in großer Runde trainiert. "So viele Spieler sind bei anderen Mannschaften nicht beim Training", sagt der RTB-Vorsitzende Dieter Noss nicht ohne Stolz, der ebenso wie der Sportbund Remscheid mit dessen Vorsitzenden Reinhard Ulbrich und Geschäftsführerin Daniela Hannemann das Projekt unterstützt. 28 Akteure zählt der Kader aktuell, und auch beim Kick gegen die Kickers hätte RTB Inter problemlos zwei komplette Teams stellen können.

Auch Mohamad Diab blickt zufrieden auf die Multikulti-Truppe, in der nicht nur verschiedene Nationalitäten, sondern auch verschiedene Glaubensrichtungen vertreten sind. Was neuerdings bei so manchem Stirnrunzeln auslöst, erntet beim RTB-Betreuer Gleichgültigkeit. "Religion spielt bei uns keine Rolle. Hier zählt nur der Sport", sagt Diab, der selber Syrer ist, aber exzellent deutsch spricht und auch in allen gängigen arabischen Dialekten zuhause ist. Inzwischen arbeitet Diab beim Sportbund Remscheid als "Fachkraft für Integration mit und durch Sport" und ist die treibende Kraft in Remscheid, wenn es darum geht, Flüchtlinge auch durch den Sport in die Gesellschaft einzubinden. Wie es der 51-Jährige sagt, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er es genau so meint. Und nicht weniger vehement plädiert er dafür, dass die Amtssprache auf dem Platz deutsch sein soll. Das gelingt noch selten, weil so mancher Kicker gerade mal ein paar Monate in Remscheid lebt. "Aber wir arbeiten daran", sagt Diab. Bis dahin lautet das vorläufige Motto: Fußball spricht jeder.

Er arbeitet auch an anderen Baustellen. "Klar ist, dass die Spieler nicht dauerhaft hier bleiben sollen. Sie sollen an andere Vereine weitervermittelt werden, sie sollen in deutschen Klubs spielen", sagt Diab, der weiß: "Sonst wird es schwer mit der Integration. Aber genau das ist das Ziel."

Das gilt für die RTB-Fußballer, aber auch für die anderen der inzwischen 128 Menschen aus aller Herren Länder, die Diab registriert hat und die gerne Sport treiben wollen. "Taekwondo, Schwimmen, Fechten, Bogenschießen - das Interesse ist groß." Diab sucht dafür Klubs und versucht parallel auch, für die weiblichen Flüchtlinge Angebote zu schaffen. "Das ist schwer, aber es gibt Interesse. Ein Mädchen möchte gerne Fußball spielen." Ihr Vater steht beim "RTB Inter" im Tor.

Die Mannschaft von Trainer Muhamed Suliman startet gut gegen die Kickers, geht früh in Führung. Bilant Ismayilon spielt mit. Er ist Mazedonier aus Strumica, auch wegen der Europameisterschaft ein Fan der portugiesischen Nationalmannschaft und - natürlich - von Cristiano Ronaldo. Bei "CR7" geht sein Daumen hoch. Er selber hat es erst einmal zur Rückennummer "2" gebracht. Vorerst.

Einer der Besten beim RTB ist Bahaa Merii, der wohl nicht umsonst die "10" auf dem Rücken trägt. Er ist klein, drahtig, trickreich. Seine 36 Jahre sieht man ihm nicht an. Merii hat früher bei al-Karama gespielt, einem Klub im syrischen Homs. Sieben Meisterschaften und fünf Pokalsiege sammelte der Verein. Jetzt liegt die Stadt in Schutt und Asche, ans Fußballspielen denkt dort aktuell niemand. Vielleicht nimmt Merii auch deswegen am Ende das 1:4 gegen die Kickers gelassen hin.

Möglich, dass Merii bald ins Trainerfach wechselt. "Aber auch hier suchen wir dringend deutsche Trainer", sagt Diab: "Mir geht es dabei auch um die Disziplin."

Aber vor allem um ein Stück Normalität - abseits von Politik, Krieg, Vertreibung, Exodus und schlimmen Erlebnissen.


RTB Inter spielt beim BKV Remscheid in der A-Klasse. Mit einem Klick können hier der aktuelle Tabellenstand und die bisherigen Ergebnisse angeschaut werden.

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