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Alles geheuchelt.
RTB-Marathonteam wanderte 2016 in der Pfalz/südl. Weinstraße.
von Gerd Dürr


Teilnehmer: Heike und Udo Stollwerk, Thea und Ferry Scheida, Rosemarie und Hans-Peter Volkmer, Claudia und Axel Schacht, Karin und Gerd Dürr, Babette und Klaus Lipus, Dagmar Sanker und Peter Gerber, Ricarda Marcus, Christa Lendermann und Renate Pelzer.

In diesem Artikel wird hier und da ein wenig geheuchelt. Aber lest selbst.

Unser Wanderquartier schlugen wir in diesem Jahr in Heuchelheim in der Pfalz auf. Zunächst führte mich mein Navi ins größere Heuchelheim an die Lahn, so zwischen Wetzlar und Giessen. Dort stellte ich aber beim Blick auf Udos Wegbeschreibung fest, dass unser Ziel das kleine, beschauliche Heuchelheim in der Pfalz war. O.K., das war jetzt geheuchelt – aber dies Plattheit bot sich beim Namen des Örtchens an, oder?
Heuchelheim heißt aus irgendeinem Grund Heuchelheim – aber nicht, weil hier die 1.800 Einwohner heucheln wie die Weltmeister. Nee, die waren eigentlich ganz schön ehrlich.
Das war hier (Südpfalz) früher eher ein arme-Leute-Gegend, so dass der Ort Heuchelheim, der ohnehin nur ein paar hundert Einwohner hatte, im 19. Jahrhundert arg zusammen schrumpfte, da viele Tagelöhner es vorzogen, in Amerika ihr Glück zu versuchen als hier im Pfälzer Wald ehrenvoll zu verhungern. In dieser Gegend war auch mal das Zentrum der deutschen Schuhindustrie (Pirmasens) – heute kommen unsere Treter aus Asien – geblieben ist das größte europäische Schuhoutletcenter in Hauenstein, … und da fing auch alles an.

Schicke Schuhe
„Ab nach Hauenstein, da gibt es schicke Schuhe. Gib Gas“, so, oder so ähnlich feuerte mich meine Frau am 20.05.2016 an … und wir rasten los. Hauenstein, so ungefähr 20 Km von Heuchelheim entfernt, bietet eine Straße mit unzähligen Schuhoutletshops an. Vielmehr gab es in diesem verlassenen Städtchen auch nicht. Einige Schuhläden sahen aus wie „Rudis Resterampe“, und die angebotenen Schuhen ebenfalls, andere Läden waren etwas netter bis sehr nett. Karin und ich wurden in netteren Läden fündig. Bepackt mit Schuhen trafen wir auf Heike, Renate, Christa, Dagmar, Udo und Piet. Kurzer Smalltalk, gemeinsames Kaffeetrinken und dann ab nach Heuchelheim.
In der Pension „Mühlengrund“ in Heuchelheim war um 19 Uhr Treffpunkt. Die Pension lag so abgelegen – und damit auch so idyllisch - dass mein Navi die Eingabe „Untermühle 2“ verweigerte. Der Pensionsbetrieb - im Retrolook der 70er Jahre leider stehen geblieben, der Betreiber etwas verschlafen („ … wie, um 8 Uhr frühstücken … ich will auch mal ausschlafen“), - war eingebettet in Felder und Weinberge, fernab jedweder Durchgangsstraße. Ruhe satt.
Am Abend schlenderten wir gemütlich zur Weinprobe in den Weinbaubetrieb Kreutz. Es erwartet uns „Pälzer Woi“ (heißt wirklich so) und Spießbraten über Rebstockfeuer gegrillt. Schmeckte phantastisch und nach jeder Probe des Pfälzer Weins stieg lautstark die gute Stimmung. Dabei heißt das doch Probe und nicht Besäufnis … na ja.
Udo gab einen Song von Willi Schneider zum Besten, der, wie sollte es anders sein, vom Wein handelte. Den Schneider übrigens, den habe ich als Jugendlicher gehasst. Mit einer solchen Musik wurde mir in den 60ern jeder Samstagnachmittag versaut. Erst seitdem mein Freund Udo mit seinem Bass auf unseren Wanderungen gelegentlich Lieder von Schneider und Moser trällert, habe ich mich mit diesen „Typen“ etwas versöhnt.
Dier Weinstube im Weingut Kreutz war mit viel Liebe zum Detail und zum Weinanbau dekoriert und äußerst aufschlussreich. Herr Kreutz war offensichtlich leidenschaftlicher Sammler von Korkenziehern und Rebscheidescheren (heißen die so?) und ich lernte, dass der mit Holz verkleidete Griff der uralten Metallscheren dazu diente, dass einem bei der Ernte frühmorgens im Herbst, gelegentlich schon bei Frost, nicht gleich die Finger abfrieren. Heute benutze man andere, wärmeisolierende Materialien und auch andere Schneidtechniken.
Als wir dann alle „hackevoll“ waren, nahm Herr Kreutz sen. ungeniert die Bestellung für Weine und Schnäpse auf, und manch einer wunderte sich 2 Tage später, was er alles im weingeschwängerten Geisteszustand bestellt hatte. Zugegeben, etwas geheuchelt. „Hackevoll“ war kein Mensch und der Herr Kreutz war ein sympathischer und humorvoller Weinbauer.
Trotz weinseliger Stimmung konnte ich mich noch am Abend mit Klaus und Udo zu einem morgendlichen Läufchen um 7 Uhr durch die Weinberge der südlichen Weinstraße verabreden. Von 5-7 Uhr wollte ich noch einige Tempoläufe durch die Pfalz absolvieren, da mir das Training mit meinen Freunden zu gering erschien. Leider hatte ich verschlafen.

Für den nächsten Tag war eine Wanderung im „Biosphärenreservat Dahner Felsenland“ incl. Baumwipfelpfad in Fischbach geplant. „Die sagenumwobene Landschaft des Dahner Felsenlandes, direkt an der Grenze zu Frankreich/Nordelsass, gehört sicherlich zu den landschaftlich interessantesten, romantischsten und geheimnisvollsten Regionen in der Pfalz. Bizarre Felsgiganten aus Buntsandstein und mächtige Felsenburgen, um die sich vielfach Mythen Sagen und Legenden ranken, prägen das Bild dieser Landschaft im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald.“ (1) Ausgangspunkt für diese Tour bildete das Städtchen Dahn mit seinen roten Felssteinformationen. Manche Felsen waren wir wie riesige steinerne Pilze ausgewaschen und luden zum riskanten Klettern ein. Sie erinnerten mich an die Felsen in Tennessee, wo ich mich einmal bei einem Wettkampf gefährlich verlaufen hatte. Die Felsen sahen wirklich genau so aus. Karin und ich kamen ins Schwärmen.
Vor einem rötlichen Felsenpilz wollten Karin und ich uns von Ricarda fotografieren lassen. Allerdings ohne die beiden fremden Damen im Hintergrund, die auf dem Fels herumkraxelten. Irgendwie schoss aus mir ein lautes „weg da!“ heraus. Eher humorvoll gemeint. Der humorvolle Unterton drang wohl nicht richtig durch. Es klang wie ein Befehl. Sofort sprangen die beiden Frauen zur Seite und das Foto gelang. Sehr schöne Aufnahme übrigens. Über die Art und Weise, wie die beiden Frauen plötzlich zur Seite sprangen, mussten wir noch kräftig lachen … und es war mir sogar ein wenig peinlich.
Mitten im Wald erreichten wir die Hütte des Pfälzer-Wald-Vereins „Im Schneiderfeld“, in der es zünftige Speisen gab. Bei traumhaften Wetter setzten wir uns in den Biergarten und sinnierten darüber, ob wir den Rest der Strecke mit dem Taxi bewältigen sollen. Die Rechnung würden wir dann Dieter Noss, unserem Vereinsvorsitzenden geben. Der hätte bestimmt Verständnis dafür, dachten wir. „Nix da“ rief Udo. Das wäre Missbrauch von Vereinseigentum.
O.K., gehen wir halt weiter zu Fuß durch die wunderbare pfälzische Landschaft. Der Felsenlandwanderweg führte uns nach Fischbach. Dieser Wanderweg, so las ich zwischendurch, wurde 2013 zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürt und darf sich heute Premiumwanderweg nennen. Dieser Einschätzung kann ich nur zustimmen. Eine Wanderung in der Pfalz ist wirklich ein tolles Erlebnis.
Die Ortsgemeinde Fischbach, gerademal 800 Einwohner, bietet mit seinem Biosphärenpark zwei besondere Attraktionen an: einen Baumwipfelspaziergang und das Biospährenhaus mit Cafe im Obergeschoss. Ursprünglich hatte ich mich auf einen 270 m langen Rundgang in einer Höhe von 12-18m über einen Holzsteg durch die Baumkronen gefreut. Die Welt der Baumkronen, ein berauschendes Erlebnis im Mai, stand uns offen. Wir waren jedoch alle müde und kaffedurstig, wie das bei älteren Leuten so ist, so dass wir lieber das Biospährenhaus, ein gläserner Turm, bestiegen, um im Obergeschoss auf der Terrasse Kaffee und Torte zu uns zu nehmen. Baumwipfel sah man auch hier.
Ein vorab gecharterter Bus brachte uns zu unserem Ausgangspunkt nach Dahn zurück. Alles bestens durch Heike und Udo im Vorfeld organisiert.
Zur Pension „Mühlengrund“ gehört auch ein kleiner Restaurationsbetrieb mit Gartenterrasse. Dort versammelten wir uns abends zum Essen a la carte. Leider konnten wir nur im Innenraum des Restaurants mit unserer Gruppe sitzen, was bei diesem Wetter etwas schade war. Die Bemerkung, man könne doch die Terrassentüre aufschieben wurde von der Überraschung gekrönt, dass besagte Türe, etwas unfachmännisch mit einer Schraube fixiert war. Das war amüsant und weitere Aufregung wurde durch das herannahende Pokalfinale (BVB versus Bayern) gebremst. Aufregen konnten wir uns nach dem Finale noch genug – und das taten wir auch. Ich war ja der Meinung, der Bender hats vermasselt. Wieso tanzte der vor dem Elfmeterpunkt wie eine Primaballerina herum anstatt das runde Ding dem Neuer trocken reinzudonnern? Wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Am Sonntag nahmen wir von Heuchelheim aus Burg Landeck ein, eine Burgruine mit intaktem Bergfried, dem höchsten in der Pfalz. Beim Örtchen Klingenmünster stiegen wir den Burgberg hinauf und plötzlich trugen wir, Babette, Piet, Klaus und ich, ganz ohne Absprache, eine Bergwertung aus. Babette Lipus zeigte zum Erstaunen von Piet und mir ihre alpinen Fähigkeiten und wurde Siegerin. Der Klaus hats vorher gewusst.
Vor der ehemaligen Zugbrücke der Burg trafen wir uns alle wieder, um im Burginnenhof zu rasten. Das Wetter war traumhaft, der Blick von hier oben über die Rheinebene klar und weit und die Burgschänke bewirtschaftet. Was will man mehr?
„Pause zu Ende“, rief plötzlich Udo in militärischer Manier und schubste uns auf den Weinsteigpfad. „Purer Weingenuss und unberührte Wälder - diese zwei Besonderheiten der Pfalz können Sie auf dem Pfälzer Weinsteig erleben. Der Pfälzer Weinsteig, der am Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim startet und nach Schweigen-Rechtenbach führt, ist mit circa 172 Kilometern der längste der Pfälzer Wege und mit seinen mehr als 12.000 Metern An- und Abstiegen auch der anspruchsvollste“.(2)
Auf diesem Pfad, wie immer mächtig hoch und runter, näherten wir uns bei traumhaften Wetter Bad Berg Zabern. Der alte Heilkurort wirkte in der sonntäglichen Nachmittagsruhe etwas verschnarcht – oder vielleicht sollte man eher sagen: hier war die Welt noch in Ordnung, und dagegen ist nichts einzuwenden. Die 8000 Einwohner verbreiteten keine Hektik, im Gegenteil, sie waren kaum zu sehen. Berg Zabern war von meinem Gefühl her ein bekannter Ort. Den Namen kennt man doch, oder? Irgendetwas sagte mir dieser Ort. Aber außer, dass hier Kurt Beck, der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Erfinder des Bürstenhaarschnittes geboren wurde, habe ich auch im Nachhinein nichts herausgefunden.
Wie das in Kurorten so ist, gibt es zahlreiche gute Cafés und Konditoreien. Heike und Udo hatten die beste vorab getestet und uns dort bereits angemeldet. Das Café Rebmann, modern und ansprechend eingerichtet, nennt sich auch Trüffelmanufaktur Rebmann und wartete mit ausgezeichneten Torten auf uns. Trüffel durfte man bröckchenweise kostenlos probieren.
Vom kleinen Busbahnhof in Berg Bad Zabern aus, hier gibt es sogar einen Sackbahnhof der Bahn, wurden wir von einem Bus der Verkehrsbetriebe Rhein-Neckar nach Heuchelheim zurück geschaukelt. Der Busfahrer hatte an diesem Sonntag ziemlich viel Spaß an unsrer 17köpfigen Passagierschar, fuhren doch sonst nur vereinzelte müde Fahrgäste mit. Er unterhielt uns mir einigen lockeren Sprüchen und sorgte auch dafür, dass wir an der richtigen Stelle ausstiegen. Mit diesem kleinen Schlusserlebnis behielten wir die beiden Wandertage in guter Erinnerung…
… und was nun geheuchelt war und was nicht, das findet ihr schon heraus. Schafft ihr !

Anhang:

1) aus: www.suedwestpfalz-touristik.de – „Dahner Felsenland“
2) aus:
www.gastlandschaften.de – „Wandern auf dem Pfälzer Weinsteig“.

Heucheln: „vortäuschen“, laut Duden.
BVB: Fussballclub auf Weltniveau
Bayern München: unbedeutender Sportverein aus Süddeutschland
Bender, Sven: defensiver Mittelfeldspieler, er hats vermasselt


Gasthaus „Mühlengrund“
Jürgen und Elke Hinrichs
Untermühle 2
76831 Heuchelheim
Tel: 06349/1449
www.muehlengrund-pfalz.de

Weingut Lothar Kreutz
Kaiserbachstr. 5
75831 Heuchelheim
Tel: 06349/8545
www.weingut-kreutz.de

Burgschänke Landeck
Weinstr.
76889 Klingenmünster
www.burglandeck-pfalz.de

Fischbach Biosphärenpark
Am Königsbruch 1
66996 Fischbach-Dahn
Tel: 06393/92100
www.biosphaerenhaus.de

Café Rebmann-Manufaktur
Petronellastr. 33
76887 Bad Berg Zabern
Tel: 06343/989 3883

www.trueffelshop.de

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